Claudias letzte Lektüre "Hildebrands Reiseführer"(98er Ausgabe) oder die vermeintlich "sichere" Insel. Zitate :


Seite 136: "Die deutschen Reiseveranstalter sehen in Cuba ein vor allen Dingen preiswertes und sicheres Urlaubsland. Alle anderen Karibik-Destinationen seien wesentlich teurer, und kaum irgendwo könne man sich als Tourist sicherer fühlen als in Cuba."

Seite 265: Kapitel "Kriminalität"

Da in Cuba alle Menschen etwa gleich viel verdienen und gleich wenig besitzen, hat sich in den vergangenen drei Jahrzehnten eine "kriminelle Kultur" nicht herausbilden können. Nirgends in Amerika kann sich der Besucher daher so sicher fühlen wie in Cuba.
Die Kubaner sind ein charmantes und höfliches Volk. In den grossen Städten und an Stränden, die viel von Touristen besucht werden, muss man in jüngster Zeit jedoch ein wenig auf seine Sachen aufpassen. Dort ist es vermehrt zu kleineren Diebstählen gekommen."

Durch die Bank stehen wahrscheinlich alle Reiseveranstalter und Reiseführer mit einer solchen Fehleinschätzung der Sicherheit auf Kuba nicht alleine da.

Die Realität sieht leider anders aus!

Es wurde vom Verlag angekündigt, in der nächsten Auflage(2002) auf die geänderte Sicherheitslage hinzuweisen.

(Buchcover mit der Funktion: Grafik anzeigen vergrössern!) Cover der Ausgabe von 1998
Rückseite / Autoren 98er Ausgabe

Eine unmögliche Statistik des Todes

Bei den offiziellen kub. Statistiken existieren ja keine Tötungsdelikte an Ausländer. Dementsprechend reagierte beispielsweise auch Herr Feliú, ein Funktionär der kub. Botschaft in La Paz - und Bruder eines der bekanntesten Dichter des Landes - als ihm das Verschwinden unserer Claudia mitgeteilt wurde: er schrie cholerisch, man würde sein Land damit beleidigen, niemand würde auf Kuba verschwinden, das Wort "Verschwundene" gäbe es dort gar nicht. Mit einem kubanischen Mann könne sie durchgebrannt sein. Das wäre möglich. Das würde schon passieren in seinem Land...
Die so unerklärliche, mysteriöse, persönliche Tragödie hat uns eine beängstigende Realität vor Augen geführt. Nichts hatte mehr eine Bedeutung im Leben als das Suchen, auch das Suchen nach Informationen, nach früheren Fällen, nach Zusammenhängen und möglichen Erklärungen. Keine Institution half uns dabei, in Deutschland nicht, in Kuba erst recht nicht. Auch internationale Organisationen wie "Amnesty International" zeigten keine Regung: es handele sich nicht um politisch motivierte Straftaten. Nur durch persönliche Kontakte in verschiedenen Ländern mit anderen Betroffenen und deren Angehörigen, auch dank des Internets, konnten wir uns langsam ein Bild machen. So sind uns z.Z. - abgesehen von den 20 Fällen, die im Abschnitt andere Fälle auf Kuba" genannt werden - weitere bekannt:

Es sind uns damit 28 Fälle bekannt, die allesamt sich in den letzten drei Jahren ereigneten. Das lässt schon erahnen wie das wirkliche Ausmass der Gewalt aussieht. Selbst wenn man von einer vorsichtigen Schätzung von durchschnittlichen 15 Tötungsdelikten an Touristen per anno ausgeht, würde das bedeuten, dass bei einem durchschnittlichen Bestand von 50.000 auf der Insel anwesenden Besuchern zu einem beliebigen Zeitpunkt, auf die Bevölkerung Hamburgs extrapoliert eine Tötungsrate von einem Menschen pro Tag ergeben würde!!