Der Senat der
Republik Bolivien

La Paz, den 12. Dezember 1999

Herrn Dr.
Ricardo Alarcón de Quezada,
Vorsitzender der Volkskammer Kubas
Havanna, Kuba

Betreff: Bitte um direktes Eingreifen, um die Menschenrechtsverletzungen zu beenden, denen mein Sohn Miguel Venegas Inarra in dem folgenden, tragischen Fall ausgesetzt ist.

Herr Vorsitzender, die aktuelle Lage zwingt mich dazu Ihre Aufmerksamkeit auf diesen Fall zu richten mit der Bitte um ein direktes Eingreifen, um den Menschenrechtsverletzungen ein Ende zu bereiten, deren Opfer mein Sohn Miguel Venegas Inarra geworden ist durch das Wirken der Untersuchungsbeamten der kubanischen Polizei. Ich, Dr. Reynaldo Venegas Iporre, Senator der Republik Bolivien, Vorsitzender der parlamentarische Vertretung des Landes La Paz, Vorsitzender der Wahl- und der Menschenrechtskommission des Senates und Führer der Fraktion der Partei "Conciencia de Patria" (CONDEPA), fasse die Ereignisse im folgenden zusammen:

1)Vorgeschichte

Im September dieses Jahres machte mein in Deutschland seit 15 Jahren lebender Sohn Miguel Venegas Inarra bei einer Geschäftsreise in Kuba Station. Dort traf er die Entscheidung, später in Begleitung seiner Ehefrau, der deutschen Bürgerin Claudia von Weiss de Venegas, als Tourist das Land zu besuchen. Das Ehepaar, Miguel und Claudia, traf in Varadero, Kuba am 13. November mit dem Flug Nr. BN 916 der Britannia ein. Der Reiseveranstalter (FTI) brachte beide nicht im vereinbarten Ort unter, sondern im Hotel Villa Playa Girón. Sie waren auch im Hotel ohne Zwischenfälle vom 13. bis zum 19. November. Am 20. ging Miguel zum Tauchunterricht, wie an anderen Tagen zuvor auch. Claudia blieb im Hotel. Bei seiner Rückkehr war sie nicht mehr da. Da sie am nächsten Tag noch immer abwesend war, erstattete er eine Vermisstenanzeige bei der dortigen Polizei, und bat sie um ihre Hilfe. Er kontaktierte ausserdem das Innenministerium, den Zoll, die Botschaften von Bolivien und Deutschland in Kuba, ausserdem die kubanische Botschaft, das Auswärtige Amt und die Polizei der Bundesrepublik Deutschland. Da man keine Spuren von Miguels Ehefrau fand, flog er am 26. November direkt von Varadero nach Deutschland mit dem Vorhaben, um Hilfe zu ersuchen in diesem mächtigen Land, und vor allem, bei den Eltern und dem Bruder der Verschwundenen. So geschah es auch, und er kehrte am 3. Dezember zusammen mit ihnen nach Havanna zurück, mit der verzweifelten Absicht , dieses mysteriöse Verschwinden aufzuklären. Er gab allen beteiligten Institutionen und Personen detaillierte Informationen und etliche Fotos.

2) Spätere Ereignisse und Missachtung seiner Rechte

Mein Sohn, Miguel Venegas Inarra, wurde in der Residenz der bolivianischen Botschaft in Havanna untergebracht, und hatte den festen Willen bei der Suche nach seiner Ehefrau nach Kräften zu helfen und stellte sich den zuständigen Behörden zur Verfügung. Am Mittwoch dem 8 Dezember baten die Untersuchungsbeamten Miguel, nach Playa Girón mitzukommen, um "den Tatvorgang zu rekonstruieren"; er akzeptierte guten Willens diese Einladung. Aber es kam ganz anders, Herr Vorsitzender, und so wurde Miguel seitdem durch die Untersuchungsbeamten unerbittlichen, sich wiederholenden Verhören und Kreuzverhören gnadenlos ausgesetzt mit dem eindeutigen Ziel, ihn in Widersprüche zu verwickeln und das Geständnis zu erzwingen, er habe seine eigene Ehefrau umgebracht. So entsteht durch eine derartige Untersuchung die paradoxe Situation, erlauchter Vorsitzender, dass der leidtragende Ehemann, , vom Opfer zum Hauptverdächtigen einer etwaigen Straftat gemacht wird. Diese unerträgliche Situation hat keine Aussicht auf ein baldiges Ende, daher erzwingt mich dieser Umstand dazu, um ihre solidarische Hilfe zu ersuchen, um die Menschenrechte meines ehrenvollen Sohnes zu bewahren, der ein gesetzestreuer Bürger ist, der in Deutschland von seiner Arbeit lebt und in seinen 34 Jahren nie in irgendeiner Hinsicht negativ aufgefallen ist. Er selbst ist zusammen mit seiner Schwiegermutter und seinem Schwager, die sich z.Z. in Kuba aufhalten, sowie meiner Person und unserer ganzen Familie am meisten an der vollständigen Aufklärung diese Falles interessiert unter der einzigen Bedingung, dass man die menschliche Würde respektiert, und dass man Miguel nicht wie ein einen groben Delinquenten behandelt.

Hochachtungsvoll:

Dr. Reynaldo Venegas I.

Senator der Republik Bolivien

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